Wie wird die Wetterlage, Meeno Schrader?

Der Klimawandel ist in vollem Gange. Ihn zu leugnen sei kriminell, so die Vereinten Nationen. Die große Mehrheit der Forscher ist sich einig: Er ist ein menschengemachter Fakt – und die Folgen mittlerweile nicht mehr zu ignorieren. So sagt zum Beispiel der Diplom-Meteorologe Sven Plöger, durch extreme Wetterereignisse sei der Klimawandel spürbar geworden. Deshalb nimmt das Thema auch in der Wetterberichterstattung immer mehr Raum ein. Und auch DWD-Experte Thomas Deutschländer hält es für „sinnvoll, sich schon heute auf eine Zukunft mit mehr Wetter- und Klimaextremen auch in Deutschland einzustellen.“ Natürlich betrifft der Klimawandel nicht nur Europa, sondern den ganzen Planeten. Ein weiterer Experte in großen Zusammenhängen ist Meteorologe Dr. Meeno Schrader. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Consulting-Unternehmen WetterWelt GmbH und meteolytix GmbH. Wir sprachen mit ihm über den Klimawandel und notwedige Maßnahmen zum Klimaschutz.

Ich teile diese Kritik voll und ganz. Dieser Gesetzentwurf ist bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten der Politiker*innen ein Schlag ins Gesicht. Das Gesetz zeigt, dass die Regierenden erst sehr wenig verstanden haben. Dabei war Zeit genug: Vor 40 Jahren gab es die ersten deutlichen Hinweise. Aufgrund der politischen Verweigerung ist der Druck immer größer geworden. Fridays for future ist der explodierende Deckel des Kochtopfes, in dem es seit Jahren kocht. Was wir Erwachsene nicht geschafft haben, den Jugendlichen ist es gelungen – endlich. Durch die verlorene Zeit müssen die Maßnahmen nun wegen der Zunahme der Dringlichkeit drastischer ausfallen, als es noch vor 20 Jahren gewesen wäre. Es braucht eine Nachbesserung, die nicht von Lobbyismus, sondern von Vernunft und Realität gesteuert wird. Die Realität sind immer mehr Menschen auf dieser unserer Erde, die ihrerseits NICHT größer wird. Da die meisten von uns zu bequem sind, muss ein Klimagesetz steuernd her, das dafür sorgt, die überlebenswichtigen Ressourcen der Erde auch künftig ausreichend zur Verfügung zu haben und abzusichern.

Wir müssen massiv umdenken. Den Ursachen des Klimawandels entgegenzuwirken braucht Zeit, Kraft und Überwindung. Konsumgüter werden verlockend beworben. Wir müssen der Verführung widerstehen. 48 Mio. Autos sind in Deutschland gemeldet, im Durchschnitt von 1,3 Personen besetzt. Die größten und schwersten PKW werden seit zwei Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten verkauft. Dabei pusten sie innerhalb der Verkaufspalette der Autohersteller mit am meisten CO2 aus. Dabei muss unser Ziel die Decarbonisierung sein: Es sollen keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen. Dies ist nur eine Stellschraube der Veränderung unseres Konsums. Konsum ist, was wir zum Leben brauchen. Es sind aber jetzt auch sehr viele Dinge dabei, die wir nicht brauchen. Darauf zu verzichten, ist ein schwieriger Prozess, der im Kopf beginnt.

Zunächst bin ich froh, dass die Zahl der Leugner schrumpft. Von 16 % im Jahr 2017 auf weniger als 0,1 % in 2018. Ich begegne ihnen mit der Aussage, dass sich seit Jahrzehnten Tausende von Wissenschaftlern mit diesem Thema beschäftigen. Wenn sich 99,9 % der echten Experten einig sind, dann hat deren Prognose eine sehr hohe Eintrittswahrscheinlichkeit – von nämlich 99,9 %. Ich zeige gern eine Grafik, die zwei Journalisten zugespielt bekommen haben. Sie zeigt das Ergebnis hausinterner Berechnungen aus den 80er-Jahren in der wissenschaftlichen Abteilung von ExxonMobil, dem heute weltgrößten Ölkonzern. Damals hat man schon sehr genau berechnet, um wieviel die Konzentration des Kohlendioxids bis heute zunehmen und die Temperaturen der untersten Atmosphäre steigen werden. Das Ergebnis geheimgehalten, der Klimawandel geleugnet.

Der wirksamste Schutz ist, den Temperaturanstieg zu stoppen. Darüber hinaus erfolgt ein gewisses Maß an Schutz durch Anpassung. Sie muss dem Überflutungsszenario begegnen, in dem ein intelligentes Wassermanagement dafür sorgt, dass die Wassermassen kontrolliert überschwemmen, mitunter zwischengespeichert werden und abfließen können. Damit dies erfolgreich geplant wird, ist es wichtig interdisziplinär zu arbeiten. Oft sind unterschiedliche, unabhängig voneinander arbeitende Ämter und Abteilungen Bestandteile des Prozesses. Dabei wird nicht selten aneinander vorbeigeplant. Zudem sollte bei anderen Städten und Gemeinden, auch im Ausland, abgeguckt werden. Das kann Planungsvorgänge und ihre Umsetzung beschleunigen und bereichern.

Alle Berufszweige und Behörden, die bei Baumaßnahmen und der baulichen Umsetzung gefragt und gefordert sind: Stadtplaner, Bauamt, Stadtwerke, Wasseramt, Wasserwerke, Tiefbau, Meteorologen, Hydrologen, Umweltamt. Jeder hat seine Sichtweite, Auflagen und Zwänge. Damit die Maßnahmen nachhaltig sind, sind alle gut beraten, sich in der Planungsphase auszutauschen und so die beste Lösung zu finden.

Ich habe mein Konsumverhalten verändert und nach 40 Jahren das Auto abgeschafft. Ich fahre innerstädtisch nur noch Fahrrad. Außerhalb der Fahrradreichweite fahre ich mit der Bahn oder mit dem E-Auto via Carsharing. Reisen durch Deutschland und, soweit möglich auch europäisch, mache ich auch mit der Bahn. Wenn es ein internationaler Flug sein muss, zahle ich eine Kompensation, z. B. bei atmosfair. Meine Ernährung habe ich massiv umgestellt, bin ein 95 %-Vegetarier/Veganer geworden. Ich kaufe, so es irgend geht, nur noch unverpackt und zum größten Teil regional ein. Plastik ist zu 80 % aus unserem Haushalt verschwunden. Ich beziehe Ökostrom und schalte regelmäßig den Stand-by-Modus aus – die kleine rote Lampe an PC, Bildschirm, Fernseher etc. trägt weltweit mit 3 % zur CO2-Emission bei.

Gern möchte ich sie ermutigen, ihren Konsum bewusster zu leben, sich von bisherigen eingefahrenen Verhaltensformen und -mustern zu lösen. Dazu gehört, den Schweinehund „Bequemlichkeit“ öfter zu überwinden. Dann dauert es nicht lange – und das neue Verhalten wird Normalität und schließlich Selbstverständlichkeit.

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