Regenwasserbehandlung
Theorie und Praxis in der Anwendung neuer Normen und Richtlinien

Der Bereich Regenwasserbehandlung ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit getreten. Medien berichten vermehrt von Starkregen, Sturzfluten und Überschwemmungen. Die Frage nach Lösungen und Wege für die Planung und Ausführung von Entwässerungsanlagen stellt sich immer häufiger. So beschäftigen Experten, Fachgremien und Norm-Ausschüssen sich damit und diskutieren verschiedene Lösungsansätze. Daraus resultierende Ergebnisse sind in Form von Normen und Richtlinien, sowie Merk- und Arbeitsblättern aufgearbeitet und Bestandteil von Planungen für Entwässerungsanlagen. Dabei muss Regenwasser nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ betrachtet werden. So befindet sich seit Dezember 2020 die DWA-A102 nicht mehr im Gelbdruck. Sie löst langfristig das Merkblatt DWA-M153 ab. Last but not least wird gerade die DWA-A138 überarbeitet und seit November 2020 als Gelbdruck verfügbar. Die Einspruchsfrist ist am 31. Januar 2021 ausgelaufen.

Regenwasserbehandlung DWA-A102 vs. DWA-M153

Seit Dezember 2020 ist die DWA-A102 aus dem Gelbdruck gekommen. Doch was bringt das neue Arbeitsblatt an Änderungen mit sich und wie sollte künftig mit der Behandlung von Regenwasser umgegangen werden?

Grundlegendste Änderung ist die Einteilung der Anschlussflächen in nur drei unterschiedlich stark belastete Kategorien. Eine weitere Unterteilung findet nach der Nutzungsart der Flächen statt. Wichtigster Leitparameter für die Verschmutzung sind AFS63, die als Partikel >63 μm des, als Testmaterial für Regenwasserbehandlungsanlagen, weit verbreiteten Millisil W4 definiert sind. Die Maßeinheit für die Verschmutzung der Flächen ist kg/ha. Sie ist mit 280, 530 und 760 Kg/Ha für die drei unterschiedlichen Flächentypen festgelegt worden. Neben der Verschmutzung mit Feststoffen wird davon ausgegangen, dass ein Großteil der gelösten Schmutzfrachten in partikulär gebundener Form vorliegt und somit den AFS63 anhaftet. Aufgrund ihrer geringen Größe machen sie den größten Oberflächenanteil an der gesamten partikulären Fracht aus. Ziel der Regenwasserbehandlung ist es, die Verschmutzung unter die festgelegten 280 kg/ha für Flächen der Kategorie I zu reduzieren. Dabei ist für Flächen der Kategorie II ein Wirkungsgrad von zirka 50 Prozent und bei Flächen der Kategorie III ein Wirkungsgrad von zirka 70 Prozent erforderlich. Diese Wirkungsgrade können für die Behandlungsanlagen anhand von Versuchen nachgewiesen werden. Hierbei wird angenommen, dass die AFS63 ungefähr 50 Prozent der Bestandteile des Millisil W4 ausmachen. Ferner wird davon ausgegangen, dass Behandlungsanlagen mit DIBt-Zulassung die Voraussetzung zur Behandlung von Flächen der Kategorie III erfüllen.

Ist damit die DWA-M153 abgelöst und hinfällig? Diese Frage kann eindeutig mit „Nein“ beantwortet werden. Die DWA-A102 bezieht sich auf die Einleitung in Oberflächengewässer. Dies können Seen, Flüsse oder Entwässerungsgräben sein. Für den Bereich der Versickerung behält die M153 bis zum Erscheinen der im Gelbdruck befindlichen, DWA-A138 seine Gültigkeit. Was Gültigkeit im rechtlichen Rahmen bedeutet, folgt im weiteren Verlauf des Beitrages.

Was der Entwurf der DWA-A138 beinhaltet

Dieses Arbeitsblatt betrifft die Entwässerungssituation innerhalb von Siedlungsgebieten. Es gilt für Niederschlagswasser, das aus dem Bereich von befestigten oder bebauten Flächen gesammelt abfließt. Das Wasser sickert gezielt in den Boden und wird dem Grundwasser zugeführt. Auch wenn die Hinweise zur Planung und Ausführung hier praxisnah und gut illustriert sind, ist das Arbeitsblatt DWA-A138 von 2005 deutlich in die Jahre gekommen. Bisher hat sich das Arbeitsblatt lediglich mit der Quantität im iterativen Näherungsverfahren beschäftigt.

Was mit der Novellierung kommen wird, ist die Kategorisierung der Flächen analog zum neu erschienen Arbeitsblatt DWA-A102. Der Leitparameter AFS63 wird eine wesentliche Rolle spielen. Bei der quantitativen Betrachtung wird es wieder ein vereinfachtes und ein auf Simulationen basierendes Nachweisverfahren geben. Zudem wird der versickerungsfähige Bereich wieder zwischen 1x10-3 und 1x10-6 liegen. Die Abflussbeiwerte werden in Bezug auf die DIN 1986-100 vereinheitlicht. Auch hier hat die Unterscheidung zwischen dem mittleren Abflussbeiwert Cm und dem spitzen Abflussbeiwert Cs Einzug gehalten. Ob dieses Merkblatt, ähnlich wie die DWA-A102, jetzt auch mehrere Jahre im Gelbdruck verbringt, bevor es seine endgültige Fassung erlangt, bleibt abzuwarten.

Homepage des DWA:

Gegenüber dem Arbeitsblatt DWA-A 138 (4/2005) wurden folgende Änderungen vorgenommen:

  • Überführung in eine Arbeits- und Merkblattreihe unter neuem Titel erforderliche Harmonisierung von DIN-Regelungen mit dem Arbeitsblatt
  • Bestimmung des Durchlässigkeitsbeiwerts nach DIN-Methode
  • Qualitative Bewertung der Niederschlagsabflüsse unterschiedlicher Flächen und Ableitung von Maßnahmen zur Vorbehandlung
  • Überarbeitung der Bemessungsverfahren
  • Anpassung an die europäische Normung und zwischenzeitlich eingetretene Veränderungen in Hinsicht auf Gesetze und Verordnungen

Dieses Arbeitsblatt wurde von der DWA-Arbeitsgruppe ES-3.1 „Versickerung von Niederschlagswasser“ (Sprecherin: Prof. Dr. Brigitte Helmreich) im Auftrag des DWA-Hauptausschusses „Entwässerungssysteme“ im Fachausschuss ES-3 „Anlagenbezogene Planung“ erarbeitet. Es richtet sich an Planende (Stadtplaner, Architekten, Landschaftsplaner, Bauingenieure), Bauherren und Behörden.

Konsequenzen und rechtliche Tragweite

Normen und, durch Fachgremien erstellte Arbeits- sowie Merkblätter, zählen zu den anerkannten Regeln der Technik. Deren Anwendung ist grundsätzlich freiwillig. Diese Arbeitshilfen sind nicht bindend. Das unterscheidet sie grundlegend von Gesetzen. Rechtsverbindlichkeit erlangen Normen, wenn Gesetze oder Rechtsverordnungen wie zum Beispiel EU-Richtlinien auf sie verweisen. Durch die Verweisung und Bezugnahme auf DIN-Normen in Gesetzen und Verordnungen wird der Gesetz- und Verordnungsgeber entlastet. Grund hierfür ist: er erlässt keine rechtlich-technischen Detailregelungen und braucht gegebenenfalls fortwährend unter Berücksichtigung der technischen Entwicklung diese nicht zu aktualisieren. Insoweit tragen DIN-Normen durch das darin enthaltene Expertenwissen zur Entlastung des Staates bei. Sofern dem Gesetzgeber die Anforderungen einer DIN-Norm nicht weit genug gehen, steht es ihm frei, diese näher zu konkretisieren.

Im Rahmen der einzelvertraglich festgelegten Verbindlichkeit können DIN-Normen dazu beitragen, Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, weil sich aus den Normen eindeutige Festlegungen ergeben. Im Streitfall kann die Verwendung von DIN-Normen das Haftungsrisiko vermindern, da sich gerichtliche Sachverständige häufig auf DIN-Normen als dem anerkannten Stand der Technik beziehen. Bei in Kraft treten einer neuen Norm oder der Ablösung eines bestehenden Arbeitsblattes gilt also zunächst die rechtliche Grundlage, solange diese nicht explizit auf die aktuellste Fassung der Norm verweist. Allerdings bleibt zu bedenken, dass entsprechend DIN EN752:2008, Ziffer 5.2 die Leistungsanforderungen für ein Entwässerungssystem in regelmäßigen Abständen zu überprüfen und, wenn erforderlich, zu aktualisieren sind. Diese Anforderungen sind nur schwer überein zu bringen und erfordern ein gewisses Augenmaß bei der Planung. Hier kann der Dialog mit der genehmigenden Behörde und eine Abstimmung der weiteren Vorgehensweise hilfreich sein.

Systeme zur Behandlung von Niederschlagswasser nach DWA-A102

Der ACO Adsorpmax ist ein hydrodynamischer Abscheider kombiniert mit einer DIBt zugelassenen Filterstufe. Diese befindet sich in der Mitte des Reinigungsschachtes. Mit dem Aufstromverfahren werden die Feinstoffe gefiltert und ein Großteil der gelösten Schadstoffe adsorptiv gebunden. Es werden sowohl abfiltrierbare Stoffe als auch Schwermetalle und Leichtflüssigkeiten entfernt. Das System kann vor der Versickerung als auch vor der Einleitung in Gewässer eingesetzt werden.

ACO Sedised-C wird eingesetzt, um Oberflächenwasser von Sinkstoffen zu befreien und so Versickerungsanlagen oder Regenwasserkanäle vor Versandung zu schützen. ACO Sedismart-C hat zusätzlich einen Innenkörper, den das zu reinigende Niederschlagswasser um- und durchströmen muss. Dadurch wird das Wasser im Schlammfang in eine Rotationsströmung versetzt. Die Fließzeit verlängert sich, das Sedimentieren der Feststoffe wird optimiert.

ACO Sedised-P ist ein Behälter aus Kunststoff in monolithischer Bauweise. Das geringere Gewicht ist gegenüber Behältern aus Beton ein klarer Vorteil. Aus statischen Gründen ist die maximale Zulauftiefe von 3 m zu beachten. Durch unterschiedliche Aufsätze sind Varianten der Belastungsklasse B 125 und D 400 verfügbar.

System zur Versickerung/ Rückhaltung von Niederschlagswasser nach
DWA-A138/ A117

ACO Stormbrixx als Versickerungsanlage fördert den natürlichen Wasserkreis. Zuvor gereinigtes Regenwasser wird in der Blockrigole gesammelt. Nach und nach versickert es im Boden und fördert damit die Grundwasserneubildung.

ACO Stormbrixx als Blockspeicher unterhalb von Zufahrten, öffentlichen Flächen oder auch im privaten Bereich speichert das gesammelte Regenwasser. Zeitverzögert wird es an die Vorflut oder Kanalisation abgegeben, die dadurch entlastet wird.

Planungsunterstützung mit dem ACO ProjectManager

Das Online-Tool unterstützt Sie in der Vorplanung und Auslegung von Systemen für die Regenwasserbewirtschaftung und überzeugt durch seinen modularen Aufbau.

Zum ACO ProjectManager

Video zum ACO ProjectManager

Anwendungsbeispiel für eine Regenwasserversickerung auf öffentlichen Plätzen, Wegen und Parkplätzen


Referenzen

In unserer Referenzgalerie zeigen wir Ihnen Objekte von Autobahnen und Tankstellen, über öffentliche Wege und kommunale Straßen bis hin zu Design und Licht. Jede Referenz ist ausführlich beschrieben und wird von zahlreichen Fotos begleitet.

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