ACO Tiefbau

Westtangente Bautzen - Tunnel B96n

ACO DRAIN® Monoblock T 275 V für mehr Sicherheit im Tunnel

Bei der Entwässerung von Tunnelbauwerken geht es vorrangig nicht um die Ableitung von Niederschlagswasser am Portal oder Schleppwasser der Fahrzeuge. Entscheidend bei der Planung von Entwässerungssystemen in Tunneln ist der Havariefall. So müssen neben nicht kontaminiertem Oberflächenwasser auch brennbare und gefährliche Flüssigkeiten aufgefangen und schnell und gezielt in ein geschlossenes System geleitet werden.

Die sächsische Stadt Bautzen, an der bedeutenden Verkehrsverbindung BAB A4 zwischen Görlitz an der polnischen Grenze und Dresden gelegen, litt seit Jahren unter permanenten Staus im Innenstadtbereich. Überregionaler Verkehr, europäischer Schwerlastverkehr und Individualverkehr rund um die mehr als 1.000 Jahre existierende Altstadt wurden zunehmend zur Belastung für die Anwohner und die innerstädtische Infrastruktur.

Mit dem Bau der rund 5,0 Kilometer langen Westtangente Bautzen, der B 98n, wird ab Ende 2013 der überregionale Verkehr von der BAB A4 in Richtung Löbach und Oppach separat geführt und damit das Stadtzentrum wesentlich vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

Ein bedeutender Bestandteil der Westtangente ist das Tunnelbauwerk Bautzen, das die neue Bundesstraße B96 unterhalb der B6 hindurchführt. Nach umfangreichen Sprengarbeiten und dem Aushub der Tunnelbaugrube im Zeitraum von Februar 2011 bis Juli 2012 konnte der Tunnelrohbau im Frühjahr 2013 abgeschlossen werden. Zu den anschließenden Ausstattungsarbeiten des Tunnels gehörte selbstverständlich auch die Installation eines für Tunnelbauwerke ausgelegten Entwässerungssystems.

Geht es um die Entwässerung in Tunneln, steht nicht die Ableitung des Niederschlagswassers am Portal und des Schleppwassers der Fahrzeuge im Vordergrund. Vielmehr ist die Beschaffenheit und Auslegung des Entwässerungssystems im Havariefall von größter Bedeutung. Kommt es zu einem Unfall im Tunnel, müssen auch brennbare und gefährliche Flüssigkeiten aufgefangen, schnell und gezielt in ein geschlossenes System geleitet werden, so dass sie von der Sauerstoffzufuhr getrennt sind. Die Auslegung der  Tunnelentwässerungssysteme strebt eine örtlich begrenzte Ausbreitung von Havarieflüssigkeit an, um einfahrende Rettungskräfte zu schützen.

Einsatz sicherer Entwässerungssysteme aus Polymerbeton

Eine dauerhafte, sichere Nutzung des Entwässerungssystems und die damit einhergehende Minimierung des Wartungs- und Instandhaltungsaufwands bedeutet, dass das Rinnensystem aus einem hochwertigen Werkstoff hergestellt sein muss. Mit der kürzlich veröffentlichten, neuen Fassung 03/12 der ZTV-ING. Teil 5 Tunnelbau (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten) sind Schlitzrinnen aus Polymerbeton nun auch für den Einsatz in Tunneln zugelassen. Damit ist Polymerbeton dem Werkstoff Beton in der Tunnelanwendung gleichgestellt.

Die ACO DRAIN® Monoblock T 275 V erfüllt damit die europäischen Tunnelrichtlinien 2004/54/EG, die deutschen Richtlinien und  Vorschriften RABT und ZTV-ING. Aufgrund der Polymerbeton-Sondermischung von ACO sind die Rinnen nicht nur in die Klassifizierung „nicht brennbar“ eingestuft. Sie sind auch ohne zusätzliche Beschichtungen frost- und tausalzbeständig und haben eine sehr hohe Chemikalienbeständigkeit. Mit einer Wassereindringtiefe von 0 mm ist der Werkstoff Polymerbeton wasserundurchlässig und so der ideale Werkstoff für den Tiefbau. Die glatte Oberfläche lässt Wasser und Schmutzpartikel schnell abfließen und ist bei Bedarf mit geringstem Aufwand zu reinigen.

Einbau der Rinnenelemente im Tunnelbauwerk Bautzen

Die Rinnenelemente verfügen bei ähnlicher Dichte über wesentlich höhere Festigkeitswerte und ein geringeres Gewicht als vergleichbare Betonprodukte. Das niedrige Fertigteilgewicht der 2,0 Meter langen Elemente von nur 483 kg vereinfachte die Handhabung sowie den Einbau erheblich. Trotz der beengten Verhältnisse konnten die Rinnenelemente mit kleinem Hebegerät unkompliziert transportiert, sowie schnell und präzise verbaut werden. Die Konstruktion der Rinnenelemente ist für den besonderen Einsatz in Tunnelbauwerken entwickelt worden. So bietet das umgesetzte Verlegekonzept von oben eine deutliche Erhöhung der Verlegeleistung. Die neue Seitenwandstruktur und die Materialverteilung der Monogusskonstruktion führen zu einer erhöhten Tragfähigkeit und Gesamtstabilität. Die hinterschnittenen Taschen sparen nicht nur Material und somit Gewicht, sie dienen auch der verbesserten Verankerung zur angrenzenden Betonverfüllung im Notgehwegbereich. Ein integrierter Verwahrungsschlitz zur Aufnahme von Leerrohren (DN 40) ermöglicht die Installation von LED-Leiteinrichtungen. Lippendichtungen aus EPDM sorgen bei der Tunnelrinne für flüssigkeitsdichte Stoßverbindungen.

 

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Oberflächengestaltung erhöht die Sicherheit

Anders als herkömmliche Schlitzrinnen verfügt die ACO DRAIN® Monoblock T 275 V nicht über einen durchgehenden Einlaufschlitz. Der Rinnenkopf ist mit mehreren einzelnen Schlitzen versehen. Noppen auf den Zwischenstegen erhöhen zudem die Rauigkeit der Rinnenoberfläche. So wird die Sicherheit für Rollstuhlfahrer beim Längsfahren und Queren der Rinne zum Erreichen des Notgehwegs, als auch für Radfahrer und Motorradfahrer, gerade beim Einsatz  in innerstädtischen Tunneln, erhöht. Ein Verklemmen der Räder durch lange Schlitzöffnungen ist so ausgeschlossen. Die besondere Anordnung der Einzelschlitze verhindert außerdem ein Verkeilen größerer Gegenstände (Radkappen u.ä.), während kleinere, spülfähige Teile aufgenommen werden können. Die strukturierte Oberfläche stellt gewollt auch eine optische Trennung von Fahrbahn und Notgehweg dar und bietet beim Befahren durch den entstehenden Vibrationseffekt eine Erhöhung der Sicherheit. Gemäß den Anforderungen der RABT und ZTV-ING ist die Tunnelrinne mit Bordhöhen von 3 und 7 cm lieferbar. Nach Bedarf und Anforderung kann sie auch mit geschlossenem Schlitzen geliefert werden.

Bei der Entwässerung von Tunneln ist es wichtig, neben „normalem“ Oberflächenwasser auch brennbare Flüssigkeiten sicher ableiten zu können. Hierfür wird ein erstes, von der Oberfläche her frei zugängliches Leitungssystem – Beispiel ein Rinnenstrang – über ein Siphon mit einem abgeschlossenen Rohrleitungssystem verbunden. Dieser Siphon-Verschluss dient dazu, brennbare Gase und Flüssigkeiten aus dem Rohrleitungssystem gegenüber dem Tunnelraum abzusperren.

Zubehörteile, wie Revisionselemente und Anschlusselemente vervollständigen das ACO Entwässerungssystem für Tunnelbauwerke.


Informationen auf einen Blick

Objekt: Westtangente Bautzen-Tunnel B96n

Bauherr: Freistaat Sachsen

Baujahr: 02/2011 – 09/2013

ACO Produkte:

Linienentwässerungssystem ACO DRAIN® Monoblock, monolithischer Rinnenkörper aus Polymerbeton:

  • ca. 400 m ACO DRAIN® Monoblock Bordschlitzrinne T 275 V
  • Anschlusselement, mit Abdeckung aus Gusseisen EN-GJS, KTL-beschichtet, Belastungsklasse D 400
  • Revisionselemente, mit Abdeckung aus Gusseisen EN-GJS, KTL-beschichtet, Belastungsklasse D 400
  • Tauchwandschacht, mit Abdeckung aus Gusseisen EN-GJS, KTL-beschichtet, Belastungsklasse D 400

Projektbetreuer ACO Tiefbau: Torsten Klehm

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